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20 Jahre PV-EEG-Vergütung und dann?

Vortragsabend zum Thema PV füllt das Landwirtschaftsmuseum20 Jahre PV

Die Themen Photovoltaik und Stromspeicher sind aktueller denn je – das zeigte der große Besucherandrang beim von Klimaschutzmanagerin Julia Michl organisierten Vortragsabend mit zwei Referenten von C.A.R.M.E.N. e.V. Über 80 interessierte Besucher konnte 2. Bürgermeister Josef Weiß im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum dazu begrüßen. Die Stadt Regen ist auf dem Gebiet der Photovoltaik sehr aktiv und erzeugt rund 810.000 kWh PV-Strom, die erste entsprechende Anlage mit 340 Kilowatt Peak (kWp) wurde 2004 auf dem Dach der Eissporthalle errichtet.

„20 Jahre PV-EEG-Vergütung und dann?“ lautete der Titel des Vortrags von Clemens Garnhartner, der zunächst kurz die aktuelle Situation im Bereich PV-Anlagen beleuchtete. Seit 2006 ist bei Dachanlagen eine Kostenreduzierung in Höhe von 75 Prozent zu verzeichnen. Außerdem läuft die EEG-Vergütung für den Sonnenstrom in absehbarer Zeit aus. Derzeit werden Anlagen bis 100 kWp durch eine feste Einspeisevergütung, Anlagen zwischen 100 und 750 kWp per Marktprämienmodell gefördert und Betreiber von Großanlagen ab 750 kWp müssen an einer Ausschreibung teilnehmen, um ihren Strom ins Netz einspeisen zu dürfen.

Der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Vergütungszeitraum von 20 Jahren endet für die ersten Anlagen am 31. Januar 2020. Die entsprechenden Anlagen bleiben allerdings weiter Anlagen im Sinne des EEG, was nach derzeitiger Rechtslage auch einen weiteren Anspruch auf Netzanbindung bedeutet – das Ende des Vergütungszeitraums ist also kein Grund zur Besorgnis für die zahlreichen Anlagenbetreiber.

Einnahmen und sonstige wirtschaftliche Vorteile können diese auch nach dem Ende des Vergütungszeitraums erzielen. „Das kann durch den Verkauf des Stroms an Dritte, durch Eigenverbrauch, durch Erstattung vermiedener Netzentgelte oder steuerliche Vergünstigungen für den Betrieb von Erzeugungsanlagen geschehen“, informierte Garnhartner. Nach gegenwärtiger Lage besteht zwar kein Anspruch darauf, dass der Netzbetreiber nach Ablauf des Förderzeitraums den eingespeisten Strom mit dem Monatsmarktwert vergütet, es existieren jedoch etliche alternative Betreibermodelle. Nach 20 Jahren wären das Verpachten von Dächern und Flächen, der Strom-Verkauf mit Marktwert (3 – 5 ct.), die Direktvermarktung, der Umzug oder Verkauf der Anlage, Direktstromlieferung (z.B. Mieterstrom) sowie der Eigenverbrauch gute Möglichkeiten, Gewinne zu erzielen.

Auch auf die Themen Service, Wartung und Pflichten ist Garnhartner eingegangen. Es bestehen Meldepflichten beim Netzbetreiber, beim Finanzamt und der Bundesnetzagentur über das Marktstammdatenregister (Starttermin 31. Januar 2019). Ertragsminderungen sollen durch sachgemäße Inbetriebnahme, Anlagenüberwachung (Fernüberwachung), regelmäßigen Service und Wartung, rechtzeitige Instandsetzung und ggf. Repowering der Komponenten vermieden werden.  „Durch eine Wartung der PV-Anlagen können Schäden durch Unwetter und Umwelteinflüsse, Alterung, Diebstahl, Verschmutzung, Kleintiere sowie Brand frühzeitig erkannt und minimiert werden“, riet Garnhartner den Anlagenbetreibern.

Er schloss seinen Vortrag mit dem Fazit, dass sich die Photovoltaik-Anlagen nach 20 Jahren amortisiert haben sollen und alle Einträge darüber hinaus nun in den Geldbörsen der Betreiber landen. Das langfristige Ziel auf dem Weg zu einem besseren Klimaschutz ist, den Stromverbrauch zunehmend in Zeiten zu verlagern, in denen viel Sonnenstrom zur Verfügung steht.

PV VortragIm zweiten Vortrag berichtete Vanessa Doering zu den technischen Eigenschaften und dem Marktgeschehen im Bereich Batteriespeicher, im August 2018 wurde der 100.000. Batteriespeicher in Deutschland in Betrieb genommen. „Ungefähr jede zweite PV-Anlage unter 30 kWp wird mittlerweile mit einem Speichersystem installiert. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich ist Bayern mit 34.000 installierten Speichersystemen. Deutsche Hersteller sind vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreich, insgesamt lässt sich ein steigender Marktanteil asiatische Anbieter beobachten“, fasste Doering die aktuelle Lage zusammen. Die Branche erwartet für die Zeit nach 2021, wenn die EEG-Vergütung für einige PV-Anlagen ausläuft, ein starkes Wachstum. Die Trends zur Nutzung der Speicher liegen bei Notstromlösungen, Sektorenkopplung sowie Stromdienstleistungen. Laut der von C.A.R.M.E.N. e.V. veröffentlichten Marktübersicht zu Batteriespeichern sind derzeit 360 Systeme von 26 Herstellern auf dem Markt. Der Großteil setzt beim Speichermedium auf Lithium (93 %), aber auch Blei (4%) und Salzwasser (3%) finden Verwendung.

In privaten Haushalten kann durch den Einsatz eines Batteriespeichers eine Eigenverbrauchssteigerung von 10-35 % erzielt werden, in landwirtschaftlichen Betrieben liegt sie zwischen 10-25 %. Dafür ist ein gutes Verhältnis zwischen PV-Anlage und Batteriespeicher von 1kWp/1kWh notwendig. Auslegungsparameter sind unter anderem das Ertragsprofil der Photovoltaikanlage, angeschlossene Verbraucher und ob es sich um eine Neuanlage mit Speicher oder eine Speicher-Nachrüstung handelt. Bei den Preisen konnte von 2015 bis 2018 ein Rückgang um über 50 % im Mittel bei Lithium-Systemen verzeichnet werden.

Laut Doering erhalten Speicher künftig neue Aufgaben: Sie können als Quartiersspeicher im Verteilernetz fungieren, es kann zusätzlich Leistung für z.B. E-Mobilität bereitgestellt werden und auch das bidirektionale Laden der E-Mobile wird an Bedeutung gewinnen.

Abschließend wies Vanessa Doering darauf hin, dass bei Einbau eines Speichers eine sorgfältige Planung sowie die individuelle Auslegung und Abstimmung der Eigenschaften sehr wichtig ist. Batteriespeicher können den Eigenverbrauch effektiv steigern, die dynamische Marktentwicklung wird sich fortsetzen. Es bleibt also festzuhalten, dass PV-Anlagen auch im privaten Bereich eine unerlässliche und zudem rentable Möglichkeit sind, aktiv das Klima zu schützen und Ressourcen zu sparen.