Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni
Das Stadtarchiv erinnert mit einem Einblick in vorhandenes Ausstellungsmaterial
Die Künischen Freibauern
Das Gebiet der künischen Freibauern bestand seit dem 17. Jahrhundert aus den Gerichten St. Katharina, Hammern, Eisenstraß, Seewiesen, Haidl, Kochet, Stadln und Stachau. An der Spitze jeden Gerichtes stand ein gewählter Richter, das gesamte Gebiet wurde durch einen Oberrichter vertreten. Die Siedler errichteten in den Hochlagen des Böhmerwaldes Einzelhöfe und wirtschafteten dort als freie Bauern. Jahrhundertelang waren sie auf Selbstversorgung ausgerichtet.
Oft befand sich neben dem Bauernhaus, den Ställen, Schuppen und der Scheune auch noch eine Mühle, ein Sägewerk, eine Kapelle und Inwohnerhäuser. Lange Zeit war der Haupterwerbszweig die Viehhaltung. Als Futterquelle dienten neben den eigenen Wiesen auch die Weide in den Wäldern, wo die Stiere von Waldhirten betreut wurden. Als der Holzbedarf in den Städten wuchs und das Holz einen Marktwert bekam, brachten auch die Wälder bares Geld. Die künischen Freibauern beriefen sich auf alte Rechte, sie fühlten sich nur dem Kaiser, aber sonst niemanden untertan. Erst im Rahmen der Aufhebung der Grunddienstbarkeiten nach 1848 verloren sie ihre Privilegien. Nun waren sie den anderen Bauern gleichgestellt.
Vertreibung der Sudetendeutschen
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zur Vertreibung der Sudetendeutschen. Der allergrößte Teil der Bevölkerung musste seine angestammte Heimat verlassen, nur wenige durften oder mussten bleiben, weil sie dringend gebraucht wurden. Von der Vertreibung war auch die Bevölkerung aus dem beschriebenen Gebiet um Bergreichenstein betroffen, einige davon fanden in und um Regen eine neue Heimat.
Patenschaft und Vertriebenendenkmal in Regen
1984 übernahm die Stadt Regen die Patenschaft für die Vertriebenen aus dem Gebiet um Bergreichenstein. Während eines Bergreichensteiner Heimattreffens wurde der damalige Regener Bürgermeister Heinz Wölfl in Hartmanitz auf ein Denkmal aufmerksam. Es zeigt einen böhmischen Soldaten aus erzgebirgischem Sandstein, in Mantel und Tornister, Abschied nehmen von Frau und Kind. Die Darstellung des Hinterbliebenen-Leids rührte den Bürgermeister so sehr, dass er von da an alle Hebel in Bewegung setzte, um eine identische Ausführung dieser Symbolfigur nach Regen zu verbringen. Unter großem Aufwand und damals noch schwierigen Umständen gelang es Heinz Wölfl und dem damaligen Stadtrat Karl Grünbeck tatsächlich, die Figur über die Grenze nach Regen zu holen. Die Figur wurde dann 1988 als Vertriebenendenkmal aufgestellt.
Im Sockel befinden sich eine Tageszeitung aus dem Aufstellungsjahr, Dokumente, die für die Ausfuhr notwendig waren und das Protokoll der Stadtratssitzung mit dem entsprechenden Beschluss. Die Namen der Ortschaften – am Denkmal eingraviert – erinnern an Orte, die nicht mehr existieren und an die Bürger, die einst dort lebten.
Am 20. Juni (Samstag) findet um 10:30 Uhr am Vertriebenendenkmal in der Grünanlage beim Moitzerlitzplatz ein Gedenkakt statt, der an die Geschehnisse vor 80 Jahren erinnert. Neben den Ansprachen im Rahmen einer Kranzniederlegung erfolgt auch eine Totenehrung.
Hier genutzte Bilder und Texte basieren auf der Ausstellung des Heimatkreises Bergreichenstein mit Heimatgemeinde Seewiesen im Böhmerwald. Diese wurde zuletzt 2016 im Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum gezeigt.
Stadtarchiv Regen
Christian Benz
Stadtarchivar, Stadtheimatpfleger
Stadtplatz 2
94209 Regen
09921 / 604-116
Kontakt und Information:
Stadtarchiv Regen
Christian Benz
Stadtarchivar, Stadtheimatpfleger
Stadtplatz 2
94209 Regen
09921 / 604-116